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Bahnreisen in der Ukraine / Fahrkarten
Dienstag, 10.06.2008, 11:31pm (GMT3)

Das Eisenbahnnetz der Ukraine mit rund 22 000 km Länge besteht aus zwei Bereichen: einmal die Fernverbindungen zwischen den gossen Städten in den Regionen und zum anderen die Regionalverbindungen in die Umgebung einer grösseren Stadt, wie etwa in Deutschland die S-Bahn. In vielen Fällen haben die Fernzüge und die Regionalzüge, die „elektrichki“ genannt werden, aber keinen gemeinsamen Bahnhof.



Die Regionalzüge fahren von einem anderen Bahnhof ab, der aber nicht weit vom sogenannten Fernbahnhof - „voksala“ genannt - entfernt ist. Die Endbahnhöfe wie Sewastopol oder Odessa sind gegebenermassen eine Ausnahme wie auch Kiew. In Kiew fahren die „elektrichki“ von einem Seitenflügel des Hauptbahnhofs ab. Fahrkarten für diese Züge gibt es nur an den entsprechenden Bahnhöfen und der Preis bewegt sich umgerechnet um 1 Euro, je nach Fahrtstrecke. Fahrkarten gibt es im Gegensatz zu den Fernzügen immer und entsprechend überfüllt sind dann diese Züge auch in der Stosszeit. Die Vorlage des Passes ist nicht notwendig und eine Erstattung des Fahrpreises gibt es auch nicht. Bei einer Fahrt mit der „elektrichki“, die durchaus auch Dieseltriebwagen sein können, hat der abenteuerlustige Ausländer durchaus die Möglichkeit die „Stimme des Volkes“ zu hören, vorausgesetzt er kann etwas russisch oder ukrainisch.

Gewisse Sprachkenntnisse sind beim Fahrkartenkauf in der Ukraine schon von Vorteil, oder man bittet Bekannte dabei behilflich zu sein, denn Fremdsprachenkenntnisse gehören nicht zum Anforderungsprofil der Damen an den Fahrkartenschaltern. In Kharkiv und Odessa gibt es jedoch einen speziellen Schalter für Ausländer, in Kiew aber nicht. Hilfreich ist sicherlich auch, wenn man sich die gewünschten Zugverbindungen bei www.bahn.de heraussucht und einen Zettel vorbereitet mit den entsprechenden Daten wie Abfahrtszeit und auch Ankunftszeit. Diesen Zettel reicht man dann der Dame am Fahrkartenschalter.

In den grösseren Städten besteht neben den Fahrkartenschaltern am Hauptbahnhof mindestens noch eine weitere Möglichkeit Fahrkarten zu kaufen. Auch einige Reisebüros bieten diesen Service an, doch dann dauert es mindestens 24 Stunden. Beim Fahrkartenkauf muss der Pass vorgelegt werden, denn die Fahrkarte wird auf den Namen des Reisenden ausgestellt; beim Reisebüro reicht eine Fotokopie des Passes. Die Rückgabe nicht genutzter Fahrkarten ist nur an den offiziellen Verkaufsstellen und da auch nur an besonderen Schaltern möglich; auch hier den Pass nicht vergessen. Die „Bearbeitungsgebühr“ beträgt etwa 10% des Fahrpreises bei einer rechtzeitigen Rückgabe. Wenn der Zug schon abgefahren ist, wird nur noch ein geringer Teil des Fahrpreises erstattet.

In der Ukraine kann man eine Zugplatz nicht vorzeitig reservieren, sondern man kann nur die Fahrkarte 42 Tage vor Reiseantritt kaufen. Da es keine Rückfahrkarten gibt, sollte man auch gleichzeitig die Fahrkarte für die Rückfahrt kaufen, wenn man den Termin sicher weiss, Die Sommerzeit ist auch bei den Ukrainern eine beliebte Reisezeit und daher empfiehlt es sich seine Fahrkarte so früh wie möglich zu kaufen, um einen Platz zu bekommen. Viele Züge, besonders an die Schwarzmeer – Küste, sind sehr schnell ausverkauft. Die Chancen für eine Ausländer eine zurückgegebene Fahrkarte zu erwischen sind äusserst gering. Bei kurzfristigen Reisen gibt es noch einen inoffiziellen Weg, nämlich den Schwarzmarkt. Der Redaktion ist der Schwarzmarkt am Westausgang des Hauptbahnhofs bekannt und innerhalb von 20 Minuten gibt es eine offizielle Fahrkarte, wenn es einen freien Platz im gewünschten Zug oder in dem am nächsten Tag gibt. Der Preis ist etwa das Dreifache des regulären Preises, aber für westliche Ausländer immer noch günstig.

Eine Fahrkarte von Kiew nach Sewastopol, Fahrtzeit 16 Stunden, kostete in der 2. Klasse rund 160 UAH, auf dem Schwarzmarkt wären es dann etwa 500 UAH. Seit dem 1. März 2007 sind die Preise für Bahnfahrten alle zwei Monate bis zum November angehoben worden. Offiziell war es eine Preiserhöhung von insgesamt 28 %, der subjektive Eindruck ist jedoch höher.